Die Stadtneurotikerin
In der Komödie “Von Frau zu Frau” spielt sie eine Mutter, die Mr. Right für ihre Tochter sucht. Darin ist Keaton neben Jungstars wie Mandy Moore und Piper Perabo zu sehen - verstecken muss sich die 61-Jährige angesichts dieser faltenfreien Konkurrenz allerdings noch lange nicht.
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Keaton als liebenswerte Glucke: “Von Frau zu Frau” (Foto: Warner)
“Die Menschen sehen mich jetzt ganz anders an, als ich es mir früher vorgestellt habe. Ich glaube, die Reaktion ist einfach ‘Schau an, so sieht sie also aus - alles noch intakt!’”![]()
So entspannt kommentiert Keaton ihre erste Nacktszene mit 57 Jahren in der Komödie “Was das Herz begehrt”. 1968 gehörte sie am Broadway zur Originalbesetzung von “Hair” (auf der LP ist sie mit “Black Boys” zu hören), wollte aber als einzige dem Naturdrang der Hippie-Zeit nicht folgen.![]()
Auch heute noch packt Keaton sich gerne bis zum Halsansatz ein, trägt Männeroutfits oder Chaoskombinationen, die ihr den Ruf eines Modeunfalls einbrachten und gilt als scheu: “Ich baue eine Wand um mich herum auf, man kann mich nur schwer kennenlernen.”![]()
Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit: “Der Stadtneurotiker” (Foto: United Artists) ![]()
Der Brunftschrei des Hornbrillen-Hirsches![]()
Der erste, der die Festung stürmte, war Woody Allen. Er besetzte sie 1970 für seine Broadway-Komödie “Mach’s noch einmal, Sam”, wurde der neurotische Hirsch des scheuen Rehs: “Ich fand ihn so niedlich, versuchte alles, dass er mich mochte. Aber er ist keiner, der herumrennt und viele neue Freundschaften schließt. Deshalb blieben ihm kaum Alternativen.”![]()
Aus Woodys Notlage entstand eine Romanze, die am Ende der Seventies von Freundschaft abgelöst wurde. Acht Filme drehte die schlaksige Kalifornierin mit der kurz gewachsenen Gagmaschine. Ihr prüdes, versponnenes Image ist seitdem in Beton gegossen.
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Zwei ungleiche Schwestern: Meryl Streep und Diane Keaton als “Marvins Töchter” (Foto: Kinowelt)
Ein lachendes und ein weinendes Auge![]()
Dabei ist die Komikerin auch brillante Dramatikerin, ob als Ehefrau Al Pacinos in der “Pate“-Trilogie, als Warren Beattys oscarnominierte Liebe in “Reds”, als oscarnominierte Krebskranke in “Marvins Töchter”, als verlassene Frau im exquisiten Scheidungsdrama “Du oder beide” oder als Lehrerin, die in nächtlichen Bar-Streifzügen mit willigen Herren flirtet (“Auf der Suche nach Mr. Goodbar”).![]()
Die als Diane Hall geborene Aktrice, die in “Der Stadtneurotiker”, ihrer Oscar-Rolle, mit Ticks und Namen (Annie Hall) verewigt ist, hat drei Geschwister. Ihr Vater starb 1990 an einem Gehirntumor, ihre Mutter war Inspiration für ihre Karriere: Seit die Neunjährige ihre Mom einen Talentwettbewerb gewinnen sah, wollte auch sie auf einer Bühne stehen.![]()
Keaton hatte nicht nur in “Der Pate” eine gefährliche Liebschaft mit Al Pacino (Foto: Impuls)
Liebhaber und andere Fremde![]()
Am College trat sie in Musicals auf, ging auf Rat einer Lehrerin nach New York, zu Sanford Meisner, einem der besten Schauspiellehrer Amerikas. “Liebhaber und andere Fremde”, ihr Filmdebüt, beschrieb ihr Kontaktverhalten und Beziehungsleben geradezu prophetisch.![]()
Geheiratet hat die Kunstsammlerin und Fotografin, die einige exzentrische Bildbände (z.B. “Clown-Paintings”) herausgegeben hat, nie, dafür aber mit Allen, Beatty und Pacino Affären gehabt. Neun Jahre, nachdem Hollywood die sympathische Feministin auch als Filmmutter (“Baby Boom”) entdeckte, adoptierte sie ein Mädchen, später auch einen Jungen.![]()
Diane Keaton als knallharte Business-Frau in “Aufgelegt!” (Foto: Columbia TriStar)
Außerirdische Ansichten![]()
Als Glucke hätte sich Keaton selbst wohl nie gesehen, obwohl sie zuletzt in “Die Familie Stone - Verloben verboten!”, derzeit in “Von Frau zu Frau” und in ihrem nächsten Projekt “Mama’s Boy” mit Jon Heder eine solche spielt.![]()
Auch als Regisseurin sieht sich Diane eher nicht. Dabei hat sie TV-Filme, Serien, ein großartiges Kinodebüt (“Entfesselte Helden”), einen hysterischen Flop (“Aufgelegt!”) inszeniert und sollte ursprünglich auch Regie führen bei “Gottes Werk und Teufels Beitrag”, ebenso bei einem Film über das Mannmädchen Teena Brandon, bei dem ihr dann die Konkurrenz mit “Boys Don’t Cry” zuvorkam.![]()
“Sie glaubt, dass das Radio funktioniert, weil winzige kleine Männer darin leben”, beschrieb Woody Allen einmal Keaton. Offenbar eine ideale Voraussetzung, um in Hollywood Karriere zu machen.